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Studie: Qualifizierte Frauen flüchten in Scharen aus Ostdeutschland
 


Die starke Abwanderung von Frauen hat in Ostdeutschland einer Studie zufolge in vielen Regionen zu einem erheblichen Überschuss an Männern geführt. Während vor allem gut ausgebildete Frauen zwischen 18 und 29 Jahren ihre ostdeutsche Heimat verlassen, bleiben viele junge Männer mit schlechter Ausbildung und ohne Job zurück.
 
Wie das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung mitteilte, hat dieser Vorgang zur Bildung einer neuen Unterschicht geführt. Außerdem mache sich in den neuen Bundesländern wegen der Abwanderung der Frauen ein deutlicher Mangel an Kindern bemerkbar.
 
Schlaue Frauen gehen
 
Seit dem Fall der Mauer haben mehr als 1,5 Millionen Menschen die neuen Bundesländer verlassen, darunter besonders viele junge Frauen. Dadurch gibt es in einigen Regionen einen Männerüberschuss von 25 Prozent. Die alten Länder blieben auch 2006 deutlich gefragter als die neuen, wie aus einer aktuellen Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervorgeht.
 
Voriges Jahr mussten die neuen Länder ein Minus von rund 50.000 Menschen hinnehmen, während die alten Bundesländer zusammen mit Berlin unterm Strich ein Plus von 73.000 Menschen zählten. Die Abwanderung von Ost nach West war dabei nahezu konstant. 136.000 Menschen meldeten ihren Wohnsitz in den neuen Ländern ab und in den alten an. 82.000 gingen den umgekehrten Weg - 6.000 weniger als 2005. Berlin bleibt auf Grund seiner Sonderstellung dabei ausgeklammert.
 
Einzigartiger Frauenmangel
 
Dieser Frauenmangel ist nach Aussage von Reiner Klingholz, Mitautor der Studie mit dem bezeichnenden Namen "Not am Mann", europaweit einzigartig. Selbst Polarkreisregionen im Norden Schwedens und Finnlands würden an die ostdeutschen Werte nicht heranreichen. Nur den Männern auf einigen einsamen griechischen Inseln ginge es noch schlechter.
 
Als Ursache sehen die Forscher die eklatanten Bildungsunterschiede zwischen den Jungen und Mädchen im Osten an. Während fast 60 Prozent aller Gymnasiasten junge Frauen sind, schafften in den vergangenen Jahren deutlich weniger Jungen als Mädchen auch nur den Hauptschulabschluss. Am schlechtesten sieht es im brandenburgischen Kreis Elbe-Elster aus: Dort sind den Angaben zufolge 70 Prozent der Schulabgänger, die seit 1995 keinen oder höchstens einen Hauptschulabschluss erreichten, männlich.
 
Partner auf Augenhöhe gesucht
 
"Zusammen mit einer hohen Arbeitslosigkeit und den schlechteren Chancen auf einen Ausbildungsplatz führt dieses Bildungsgefälle dazu, dass viele junge Frauen ihr Glück in Westdeutschland versuchen", sagte der Leiter der Studie, Steffen Kröhnert. Hinzu komme, dass die Frauen sich einen Partner mit ähnlichem Bildungsniveau suchen - diesen aber in Ostdeutschland nicht fänden.
 
Neue männliche Unterschicht entsteht
 
Zurück bleiben junge Männer, die von der Gesellschaft ausgeschlossen sind: Immerhin 20 Prozent der Männer im Osten haben laut Studie eine schlechte Ausbildung, keinen Job und keine Partnerin. Für die Studie stützten sich die Forscher auf Statistiken der Arbeitsämter, weitere Studien zur Bevölkerungsentwicklung sowie auf eigene Umfragen.
 
Neue Förderprogramme der Regierung
 
Die Bundesregierung reagierte bereits auf die Studie. Der zuständige Minister Wolfgang Tiefensee kündigte an, dass im Juli zwei ländliche Regionen in Ostdeutschland für Modellprojekte ausgewählt werden sollen. Es stünden vier Millionen Euro an Fördergeldern bereit um die Abwanderung zu stoppen. Es solle herausgefunden werden, wie eine gute Versorgung auch in dünn besiedelten Gebieten gewährleistet werden könne. Als Beispiele wurden Mehrgenerationenhäuser, rollende Bibliotheken und Ruf-Busse genannt.
 
Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten: Die abwandernden jungen Frauen bräuchten keine Häuser oder Bibliotheken, sondern vielmehr Jobs und Lehrstellen vor Ort.
 
Aufschwung geht am Osten vorbei
 
Auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) macht dem Osten wenig Hoffnung. Zwar hält es einen weiteren deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit für möglich. Ostdeutschland werde aber weniger vom Aufschwung am Arbeitsmarkt profitieren als die alten Länder. "Zwei Drittel der ostdeutschen Arbeitslosen sind Hartz-IV-Empfänger. Langzeitarbeitslose bekommen aber erst zum Schluss ihre Arbeitsmarktchance", so IWH-Arbeitsmarktexperte Herbert Buscher.

Von der Redaktion unseres Partners www.arbeitsrecht.de



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